Goebenkaserne um 1920
... und heute

Das Stadtbild des grenznahen Triers wird ab dem 19. Jahrhundert stark von Kasernenbauten geprägt. Immer wieder kommt es zu wechselnden Besitzverhältnissen zwischen Deutschland und Frankreich.

Seit 1815 zählt Trier zum Königreich Preußen und wird mit zahlreichen Militärgebäuden gesichert. Um 1907 entsteht im Norden Triers die Goebenkaserne; bis zum Einmarsch der französischen Truppen 1918 verbleibt das Gebäude in preußischem Besitz.
Das französische Militär unterteilt die Kaserne in Quartier du Vieil Armand und Quartier Bouchavesnes. In den 1930er Jahren werden die militärischen Gebäude zu Wohneinheiten umgebaut. Die 1991 gegründete Wohnungsgenos-senschaft am Beutelweg e. G. verwaltet die rund hundert Wohnungen für die Bürgerinnen und Bürger Trier-Nords.

Bürgerhaus

Auch das Bürgerhaus von Trier-Nord, das sich in der Franz-Georg-Straße 36 befindet, ist Teil der ehemaligen Militärsiedlung Preußen. Noch heute ist der Kasernenstil sichtbar. Nach einer umfassenden Modernisierung bietet es einer Vielzahl sozialer Projekte Raum. Als Begegnungszentrum ist es Treffpunkt für Jung und Alt.

Die filigrane Konstruktion des offenen Dachstuhls im Wechselspiel mit den schillernden Farben der Fenster verleiht dem Gebäude besonderen Charme.

Gottesdienst in der Reithalle

Das Gebäude entsteht zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Reit- und Exerzierhalle innerhalb der preußischen Militärsiedlung. Aufgrund der großen Zerstörung der Trierer Innenstadt im Zuge des Zweiten Weltkrieges wird die Halle ab 1947 nach den Plänen des Architekten Fritz Thoma in eine Notkirche umfunktioniert. Sie ist dem heiligen Ambrosius geweiht. Der in Trier geborene Bischof von Mailand lebt im 4. Jahrhundert und gilt als erster der vier großen Kirchenväter, die entscheidend zur Lehre des Christentums beigetragen haben.

Der offene Dachstuhl lässt mit seiner feingliedrigen Rahmenbinderkon-struktion das ursprüngliche Gebäude noch erahnen. Zur Belichtung des Innenraumes sind langgezogene Dachgauben mit geometrischen Buntglas-fenstern von Reinhard Heß eingesetzt. Von außen kaum zu erahnen ist das eindrucksvolle Farbenspiel der Fenster von Heinrich Diekmann: am Eingang das Jüngste Gericht; das Chorfenster mit Geburt, Kreuzigung und Aufer-stehung Jesu; in der Taufkapelle die Taufe des heiligen Augustinus durch den heiligen Ambrosius.

Die für Trier einzigartige Deckenkonstruktion versprüht Leichtigkeit und schafft im Zusammenspiel mit den kunstvollen Fenstern eine Atmosphäre der Ruhe.

Bildergalerie St. Ambrosius

Der heute als Probenhaus für Musikgruppen genutzte Hochbunker in der Karl-Grün-Straße wird von dem Architekten Heinrich Otto Vogel zwischen 1941–1943 im Stile eines mittelalterlichen Trierer Wohnturmes (Frankenturm, Turm Jerusalem) gestaltet.

Der imposante Baublock hat eine Höhe von 15 Metern und eine Fläche von rund 200 Quadratmetern, wobei die Dicke der Außenmauern 1,30 Meter beträgt. Im Inneren befinden sich vier oberirdische Etagen, die durch ein Treppenhaus erschlossen werden sowie ein Kellergeschoß. Vom Originalbau sind noch die Lüftungsleitungen, Teile der Bunkerbeschriftung sowie die Zellen erhalten. Der Bunker bot bis zu 850 Menschen Schutz.
Die Architektur im Stile eines mittelalterlichen Wohnturms dient der Tarnung vor Luftangriffen. So täuschen das Walmdach und die sandsteinernen dekorative Bögen über den als Fenster getarnten Lüftungsöffnungen ein Wohngebäude vor. Über dem Eingang weist das rechteckige Feld mit seiner Putzverfärbung auf ein ehemaliges nationalsozialistisches Propagandabild hin.
Die sieben Hochbunkeranlagen in Trier, von denen sich die bekannteste am Augustinerhof beim Rathaus befindet, dienten in Kriegszeiten als Zufluchtsorte, Organisationspunkte sowie Depot zum Beispiel für Gegenstände aus Museen und Archiven.

Gegenüber vom Park Nells Ländchen entstehen in der Nachkriegszeit Wohngebäude für Angehörige der französischen Besatzungsmacht – vom Schwarzwald bis an die Côte d’Azur.

Nur wenige wissen, dass Trier zeitweise die zweitgrößte Garnison nach Paris war. Bis zu etwa 30000 Soldaten wohnten, zum Teil mit ihren Familien, bis zum endgültigen Abzug 1999 in der Moselmetropole.

Die Anfänge der Parkstraßensiedlung liegen in der großen Wohnungsnot der Nachkriegszeit begründet. Die französische Besatzungsmacht behilft sich mit neuerrichteten Wohnkomplexen für ihre Militärangehörigen und deren Familien. Ab 1947 entstehen 24 Gebäude mit insgesamt 50 Wohnungen. Ihre Konstruktionsweise aus vorfabrizierten Bauteilen ermöglicht eine funktionale und rasche Bauweise aller Häuser. Das ansprechende Erscheinungsbild der Siedlung zeichnet sich insbesondere durch die holzvertäfelten Fronten im Landhausstil aus. Nach den Schrecken des Krieges dient dieser Baustil der Romantisierung der neuen fremden Heimat. Die für die Region sonst untypische Bauweise lässt den Volksmund heute von der Schwarzwald-siedlung sprechen.

Ab 1950 entstehen in direkter Nähe weitere fünfzehn Mehrfamilienhäuser.
Charakteristisches Merkmal aller Häuser der heute sogenannten Siedlung France ist die Benennung der einzelnen Häuser mit französischen Städte-namen.

Unscheinbar am Verteilerkreis gelegen befindet sich ein verborgenes

Schmuckstück Triers. Die größte Parkanlage der Stadt verführt zum Entspannen

und Wohlfühlen.

Natur tanken

Diese grüne Oase bietet allen, Klein und Groß, Jung und Alt, Möglichkeiten
zum Entspannen oder Austoben. Entstanden ist der Park 1792–1793, als
Nikolaus von Nell das Land kauft und es nach Trockenlegung zum Teil mit Treibhäusern bebaut und den Rest als Park gestalten lässt. Schon Napoleon kann sich der Schönheit des Parks nicht entziehen und bedenkt den verantwortlichen Gärtner bei seinem Besuch 1801 mit einem kaiserlichen Geschenk. 1940 bringt der Zweite Weltkrieg eine Veränderung mit sich. Die Familie Nell kann den Park nicht mehr halten und verkauft ihn an die Stadt Trier, welche die Grünfläche den Bürgerinnen und Bürgern als Gemüseacker zur Verfügung stellt und den See als Löschwasserreservoir nutzt – der Park-Charakter geht verloren.

Ab 1946 nutzt die Familie Lambert das Gelände für ihre Dahlienzucht und macht es somit wieder zu einem beliebten Ausflugsziel. Durch das Anlegen eines Rosengartens im Jahre 1958 zu Ehren Peter Lamberts (1859–1939), Züchter der Strauchrose Trier, gewinnt der Park zusätzlich an Attraktivität.

Heute entdeckt man beim Spazieren kleine im Park eingebettete Bauten. Der Rautenstrauchpavillon, ein von der Innenstadt hierher versetztes Gebäude, welches als Künstleratelier dient, ist gleich vom Haupteingang zu sehen. Am Avelsbach vorbei gehend, erblickt man am Ufer eine bis 1918 benutzte Mühle. Ausgedehnte Parkflächen, der Parksee, aber auch ein Spielplatz ziehen Spaziergänger und Familien in die Parkanlage.

Seit 2005 engagiert sich die Bürgerinitiative Renaissance Nells Park für die Belebung und den Erhalt der idyllischen Anlage, beispielsweise durch das alljährliche Familienfest.

Bildergalerie Nells Park

Die mit hohen und alten Bäumen gesäumten Alleen regen zu einer historischen Entdeckungsreise an – ein Ort der Besinnung und des Gedenkens.

Ein besinnlicher Spaziergang

Napoleons Décret impérial sur les sépultures von 1804 verfügt unter anderem aus hygienischen Gründen die Einrichtung neuer Friedhöfe außerhalb der Stadtmauern. So entsteht 1808 ein neuer Zentralfriedhof mit heute parkähnlichem Charakter.

Hinter dem Eingangsgebäude zum komplett ummauerten Gelände fällt direkt die alte Friedhofskapelle von 1870 im neogotischen Stil ins Auge. Die farbigen Glasfenster sind ein Werk des Trierer Künstlers Jakob Schwarzkopf. Die expressionistische Christusfigur am Kreuz aus dem Jahr 1917 wurde von Walter Resch gefertigt.

Um die alte Kapelle sind verschlungene Wege angelegt, die im Kontrast zu der regelmäßigen Gliederung des übrigen Geländes stehen. Besonders beeindruckend sind die hier gelegenen reich gestalteten Familiengräber aus dem 19. Jahrhundert. Neben den Steinmonumenten finden sich Skulpturen aus Galvano-Metall: Engel, Trauernde oder Christusfiguren, die um 1900 seriell angefertigt werden und sich großer Beliebtheit erfreuen. Durch sein über zweihundertjähriges Bestehen lässt sich im Hauptfriedhof ein Bilderbogen an Skulpturgeschichte nachzeichnen.

Auch über die Grenzen Triers hinaus bekannte Einwohner haben hier ihre letzte Ruhe gefunden, wie etwa die Schlagersängerin Gitta Lind (1925–1974) und der bei Gartenfreunden unvergessene Rosenzüchter Peter Lambert (1859–1939).

Im Laufe der Zeit haben sich üppige Natur und alte Grabsteine zu einem einzigartigen Ensemble verbunden.

Bildergalerie Hauptfriedhof

Jüdischer Friedhof

Der neue jüdische Friedhof, der seit 1920 in den Hauptfriedhof integriert ist, befindet sich im nordwestlichen Teil. Da nach jüdischer Tradition keine Gräber wiederbelegt werden dürfen, stößt dieser Bereich bald an seine Kapazitätsgrenze.
Die zum Teil monumentalen Grabsteine zeigen eine große Bandbreite in ihrer formalen Ausprägung und lassen die Besucher zurück in die Zeit des Klassizismus und Jugendstils reisen. Gerade der jüdische Friedhofsteil korrespondiert stilistisch mit den gängigen Kunstströmungen in Europa und veranschaulicht das emanzipierte Judentum dieser Zeit, das sich am reichen Dekor ablesen lässt. Ein dunkles Kapitel Trierer Stadtgeschichte wird an einigen Grabsteinen ebenfalls sichtbar: In den letzten Kriegsjahren entfernt man Metallverzierungen und Beschläge, um die Kriegsindustrie der Nationalsozialisten mit Rohstoffen beliefern zu können. Heute wird dieser Friedhofsteil wieder von der Jüdischen Gemeinde Trier für Bestattungen genutzt und führt demgemäß die Kontinuität deutsch-jüdischer Geschichte vor Augen.
Zentral innerhalb der jüdischen Parzelle befindet sich ein Ehrenmal, das die jüdische Kultusgemeinde durch den Trierer Steinmetz Melchisedech errichten ließ. In Sichtweite davon befindet sich ein städtisches Denkmal für die Opfer der Gewaltherrschaft. Der Trierer Bildhauer Michael Trierweiler hat hier 1950 ein Denkmal erschaffen, das durch einen knienden und vorgebeugten Körper den Opfern visuell gerecht werden soll und ein weiterer steingewordener Zeitzeuge auf dem Hauptfriedhof ist.

Jüdisches Grabmal
Ehrenmal jüdischen Kultusgemeinde
Denkmal